Annette Holl — Brustkrebs, Familie und Tamoxifen

Brustkrebs Familie, Tamoxifen Annette Holl

Diag­nose Brustkrebs: Annette Holl erzählt aus Ihrem All­t­ag mit ihrer Fam­i­lie. Aber auch wie es ist Tamox­ifen zu nehmen und warum pos­i­tives Denken und Sport so wichtig sind.

Brustkrebs und Tamoxifen — im Gespräch mit Annette Holl, Mutter von drei Kindern, die so wie ich mit der Diagnose lebt. Wie wuppt sie ihr Leben mit Familie und der jahrelangen Antihormontherapie mit Tamoxifen? Ich habe bei Annette  nachgefragt und viele tolle Tipps bekommen, die Frauen mit Brutkrebs, Antihormontherapie wie Tamoxifen, Partnerschaft und Kindern helfen. 

Annette Holl — mein Leben mit Brustkrebs, meiner Familie und Tamoxifen

Es gibt nichts Neg­a­tives, was nicht für irgend­was gut ist. Ein­er mein­er Leit­sprüche in meinem Leben kommt auch beim The­ma Krebs zum Tra­gen. Denn Annette (44) lernte ich dig­i­tal ken­nen, da sie meine Herzwiese in einem ihrer Blog­a­r­tikel vorgestellt hat. Sie schrieb mich dazu an und direkt war da ein Draht. Es ist schon erstaunlich, dass es so etwas auch in der virtuellen Welt geht. Wir bei­de sind ein leben­der Beweis dafür. Annette erlebe ich als echt­en Wirbel­wind  — sei es in ihrem Blog auf der Plat­tform der Kur­venkratzer. Hier heißt ihr Blog: Meine Her­aus­forderung. Oder als Mama von drei Kindern. On Top ist sie Grund­schullehrerin und Autorin für unter­richts-prak­tis­che und päd­a­gogis­che Rat­ge­ber. Ach ja – auf Insta­gram ist sie auch präsent. Schnell kam die Idee, dass wir uns gegen­seit­ig inter­viewen. Denn trotz unser­er Brustkreb­serkrankung haben wir hier natür­lich unter­schiedliche Wege ken­nen­gel­ernt. Nun wün­sche ich dir viel Vergnü­gen und gute Inspi­ra­tio­nen mit meinem Inter­view mit der lieben Annette Holl. Es geht natür­lich um Brustkrebs und Tamox­ifen. Aber auch um das Leben mit Kindern und der Fam­i­lie, den Job, Neben­wirkun­gen, leck­eres Essen, die Liebe, Sport und pos­i­tives Denken.

Brustkrebs, Chemo, Familie, Tamoxifen, Nebenwirkungen, Sport, Ernährung und positives Denken - Annette Holl erzählt mir im Interview aus ihrem Leben.

Brustkrebs, Chemo, Fam­i­lie, Tamox­ifen, Neben­wirkun­gen, Sport, Ernährung und pos­i­tives Denken — Annette Holl erzählt mir im Inter­view aus ihrem Leben.

Mein Inter­view, welch­es ich Annette für ihren Blog gegeben habe, find­est Du hier. Es geht um pos­i­tives Denken, gesun­des Essen und Trinken. Aber auch um Sport und Dinge die schön machen, also Tipps zu Beau­ty. Und natür­lich auch um die Anti­hor­mon­ther­a­pie und wie ich mit schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen klar komme.

Brustkrebs — meine Familie — Tamoxifen — und mein Leben heute 

Kirsten von der Herzwiese: Liebe Annette, wie lange liegt deine Brustkrebs Diagnose zurück – und wie sah dein Behandlungsplan aus? Und nimmst Du Tamoxifen ein? 

Meine Kreb­s­di­ag­nose erhielt ich im Novem­ber 2020. Mit­ten in der Coro­na-Pan­demie, kurz vor dem zweit­en Lock­down. Mein Tumor war ein absoluter Zufalls­fund bei ein­er Kreb­svor­sorge­un­ter­suchung bei meinem Fraue­narzt. Der ent­deck­te im Ultra­schall eine nicht tast­bare Auf­fäl­ligkeit. „Wohl eine Zyste, aber lassen Sie das bess­er in der Klinik abklären“. Ein paar Tage später schon hat­te ich eine Mam­mo­grafie, eine Biop­sie und die Gewis­sheit. Es han­delte sich nicht um eine harm­lose Zyste, son­dern einen Tumor. Zwei Wochen später wurde ich operiert. Dabei stellte sich her­aus, dass es ein  hochgr­a­dig aggres­siv­er hor­mon­pos­i­tiv­er, HER2-neu pos­i­tiv­er Brustkrebs war. Ich erlebte 16 Chemother­a­pi­en und 28 Bestrahlun­gen. Außer­dem erhielt ich drei­wöchentliche Antikör­per­in­fu­sio­nen bis April diesen Jahres. Aktuell befinde ich mich noch in der Anti­hor­mon­ther­a­pie und schlucke täglich Tamox­ifen. Und natür­lich gehe ich gehe ich alle drei Monate zur Nachsorge.

Da ist sie nun die Diagnose Brustkrebs. Wie sage ich es der Familie, den Kindern? Ich musst mich erst einmal sammeln.

Da ist sie nun die Diag­nose Brustkrebs. Wie sage ich es der Fam­i­lie, den Kindern? Ich musst mich erst ein­mal sam­meln. Und was kommt da noch mit Tamox­ifen und anderen Din­gen auf mich zu?

Kirsten von der Herzwiese: Du bist Mama von drei Kindern. Wie hast Du die Brustkrebs- Diag­nose deinen Kindern erk­lärt? Und wie kom­men sie damit zurecht? Welche Tipps hast Du hier für Frauen in ein­er ähn­lichen Lebenssituation? 

An den ersten Tagen nach der Diag­nose musste ich mich erst­mal etwas sam­meln. Ich sprach nur mit meinem Mann, meinen Eltern und Geschwis­tern. Aber schon kurz danach wei­hte ich auch meine Kinder ein. Jedes einzeln und auf eine sein­er Art und seinem Alter entsprechend. Wie ich genau vorge­gan­gen bin, habe ich in meinem  Blog­text „Mama hat Krebs: Darf ich jet­zt nicht mehr lachen?“ aufgeschrieben.  Für mich war es wichtig, dass über meine Erkrankung ehrlich und offen gesprochen wurde. Ich ver­suchte durch Fotos und Erzäh­lun­gen meine Oper­a­tion, die Chemo und Bestrahlung für sie fass­bar­er zu machen. Lei­der kon­nte ich ihnen wegen Coro­na ja nicht konkret zeigen, wo die Mama so viele Stun­den ihres Tages ver­bringt. Mit­tler­weile waren wir aber mal bei der Chemo-Ambu­lanz und in der Strahlen­klinik. Vor allem für meine Jüng­ste ver­suchte ich den Krebs greif­bar zu machen. Ich zeigte ihr meine Narben.

Endlich bin ich den Port für die Brustkrebs Chemo los — Tamoxifen bleit mir treu

Sie hat auch mal eine Leukozyten-Spritze aus dem Kühlschrank geholt oder über meinen frisch „eingepflanzten“ Port gestrichen und ihn vor drei Wochen, als er endlich wieder her­auskam, sehr inter­essiert in live betra­chtet. Außer­dem bastel­ten wir einen Chemo-Kalen­der. Ähn­lich wie ein Adventskalen­der. Nach jed­er Chemo-Sitzung wurde hier die Grafik ein­er Infu­sion aus­ge­malt. Bei der Bestrahlung hak­ten wir jedes Mal einen Ter­min auf ein­er Liste ab. So war für meine Kinder die Dauer mein­er Behand­lung erkennbar. Ich trug ganz selb­stver­ständlich meine Bean­ies, was zur Folge hat­te, dass unsere Jüng­ste nach ein­er Weile – und bis heute – immer wieder selb­st mit Mütze im Haus herum­lief. In einem Haushalt, in dem die Mut­ter Lehrerin und Autorin ist, durften Kinder­büch­er zum The­ma „Krebs“ natür­lich auch nicht fehlen.

Mama — warum trägst du zu Hause eine Mütze?

Da mein Mann im Home­of­fice und die Kinder im Home­school­ing waren, erlebten sie alle auch meine Chemother­a­pie-Nach­wirkun­gen haut­nah mit. Graute mir zunächst davor, war es rück­blick­end für uns alle nur von Vorteil. Nicht nur wegen des Schutzes für mein Immun­sys­tem, son­dern auch im Hin­blick auf die Kinder. Sie sahen mich lei­den, sahen aber auch, dass dies nicht per­ma­nent der Fall war. Der Krebs war bei uns All­t­ag, er gehörte dazu. In meinem Blog­text „Warum trägst du im Haus eine Mütze: Kinder fra­gen, ich antworte“ habe ich Tipps für einen kindgerecht­en, aber den­noch abso­lut ehrlichen Umgang mit den Sor­gen, Nöten und Fra­gen von Kindern kreb­skranker Eltern zusammengestellt.

Kirsten von der Herzwiese: Gab es denn auch so etwas wie Normalität?

Ja klar. Unser Leben hier war nicht nur Mamas Krebs. Nein, eigentlich lief hier ganz viel nor­maler All­t­ag ab. Wir zele­bri­erten die Wei­h­nacht­szeit und Sil­vester. Wir feierten die Kinderge­burt­stage, gestal­ten Fam­i­lien­filmabende und Co. Logisch — Coro­na und Krebs, da war vieles nur abge­speckt und anders möglich, aber es ging. Wir hat­ten den­noch Spaß und Abstand von Mamas Krankheit. Ich denke, dass es ganz wichtig ist, dem Krebs in der Fam­i­lie seinen Raum zu geben, aber ihn regelmäßig auch ganz bewusst auszuk­lam­mern und kreb­s­freie Zeit zu erleben. Mama ist zwar krank, aber nicht im Dauermodus.

„Gib deiner Krankheit ehrlich Raum im Familienalltag und klammere sie phasenweise bewusst aus. Psychologische Beratung kann helfen, wenn Du merkst, dass deine Kinder sehr laut werden oder sich extrem zurückziehen.“

Kirsten von der Herzwiese: Wie kamen deine Kinder damit klar dass Du Brustkrebs hast? 

Hm, wie kamen meine Kinder damit zurecht? Ich würde sagen: Der Krebs war bei uns kein bedrück­endes The­ma, wir wup­pten die Zeit recht gut. Als meine Akut­ther­a­pie vor­bei war und ich einen her­rlichen Som­mer mit der Fam­i­lie genießen wollte, war der von recht viel Geschrei und Stre­it­ereien begleit­et. Da kam ans Licht, dass sich die Kinder für mich oft zusam­men­geris­sen hat­ten. Unser All­t­ag war schon ein ander­er gewe­sen ist und ihre Wut, ihre Sor­gen, ihre Äng­ste ein­fach ein Ven­til braucht­en. Hier kann ich den Vere­in Flüster­post e.V. empfehlen, der sich auf die Arbeit mit Kindern kreb­skranker Kinder spezial­isiert hat. Die Men­schen dort leis­ten tolle Arbeit und sind bei Prob­le­men per­sön­lich oder auch online schnell und kom­pe­tent mit Hil­fe da . Hört euch außer­dem gerne meinen Pod­cast mit Lara von den Pink Kids oder den mit Gabi Schwede an. Darin geht es meine Erfahrun­gen als Dreifach­ma­ma mit Brustkrebs erzählen.

Kirsten von der Herzwiese: Oft heißt es ja, dass der Brustkrebs auch Freundschaften neu justiert. Welche Erfahrung hat Du da gemacht? 

Hm, das ist eine span­nende Frage. Direkt nach der Diag­nose habe ich viele Nachricht­en von Leuten bekom­men, mit denen ich jahre­lang nichts zu tun hat­te. Alte Schulka­m­eradin­nen und ‑kam­er­aden, die ich seit dem Abitur nicht mehr gese­hen hat­te. Ver­wandte, mit denen ich seit Jahren keinen Kon­takt hat­te, haben sich gemeldet. Sie haben gefragt, wie es mir geht. Das ist wohl eine Art „natür­liche Sen­sa­tion­slust“. Die meis­ten davon haben dann nach kurz­er Zeit das Inter­esse an der kreb­si­gen Annette aber wieder ver­loren. Ein paar sind geblieben. Heute finde ich es   total schön, dass der mist­ige Krebs alte Bekan­ntschaften wieder zum Leben erweckt hat. Großar­tig finde ich, dass durch meine Erkrankung neue Bekan­ntschaften ent­standen sind. Ich habe online viele tolle Men­schen getrof­fen, mit denen ich regelmäßig Nachricht­en aus­tausche. Sie sind mir wirk­lich wichtig gewor­den, auch wenn ich sie im echt­en Leben noch nie getrof­fen habe.

Freundschaften durch Instagram

Nicht aufgeben ist eine der Dinge, die mir sehr wichtig sind. Sei es in der akuten Brustkrebs Therapie aber auch auf dem langen Weg mit der Antihormontherapie, bei mir aktuell Tamoxifen.

Nicht aufgeben ist eine der Dinge, die mir sehr wichtig sind. Sei es in der akuten Brustkrebs Ther­a­pie aber auch auf dem Weg mit Tamox­ifen und Nebenwirkungen.

Du, liebe Kirsten von der Herzwiese, bist eine von diesen Per­so­n­en. Ich freue mich sehr darüber, dich in der dig­i­tal­en Welt ken­nen­gel­ernt zu haben. Eine mein­er Insta­gram-Bekan­ntschaften wohnt lustiger­weise in einem Nach­barort und wir haben uns mit­tler­weile auch mal in echt getrof­fen und supergut ver­standen. Immer wieder hört man, dass Leute ihren Fre­un­deskreis entrüm­peln, sich von manchen los­sagen. Das habe ich nicht getan. Die meis­ten der Fre­undin­nen, Fre­unde und Bekan­nte aus meinem Leben vor dem Krebs sind es auch jet­zt noch. Doch es ist schon so, dass ich zu manchen Per­so­n­en ein anderes Ver­hält­nis habe. Ich habe mich verän­dert und habe das Gefühl, dass es zwis­chen manchen Per­so­n­en und mir nicht mehr so recht passt. Aber ich will die Tür noch nicht ganz schließen, son­dern noch etwas Zeit ins Land ziehen lassen.

 

Kirsten von der Herzwiese Wie ist dein privates und berufliches Umfeld mit deiner Brustkrebs Diagnose umgegangen?

Kurz und knapp: Vor­bildlich! Mein Mann war vom ersten Moment an für mich da. Er hat mich — auch wenn er coro­n­abe­d­ingt physisch oft nicht dabei sein durfte – immer begleit­et und unter­stützt. Meine Eltern, Geschwis­ter und die Schwiegerel­tern nah­men – Lock­downs und Kon­tak­tbeschränkun­gen lassen grüßen – aus der Ferne Anteil. Ich richtete eine What­sApp-Gruppe ein, in der ich immer das Neueste zu mein­er Ther­a­pie, meinem See­len­zu­s­tand, zu unserem Fam­i­lien­leben usw. berichtete. Später kon­nten sie dann über meinen Blog noch genauer in alles ein­tauchen. Nach­dem ich mein­er Chefin und meinen bei­den Kol­legin­nen gesagt hat­te, was Sache ist, wün­scht­en sie mir alles Glück dieser Welt und ließen mich nie spüren, dass sie wegen mir mehr zu tun hat­ten. An dieser Stelle nochmal her­zlichen Dank an die Drei für eure vor­be­halt­slose Unterstützung.

Offen mit dem Brustkrebs umgehen — wichtig in der Familie und auch im Beruf

Den Eltern mein­er Schü­lerin­nen und Schüler hat­te ich kurz nach der Diag­nose reinen Wein eingeschenkt, um Gerücht­en vorzubeu­gen. Auch hier erfuhr ich nur Zus­pruch und Anteil­nahme. Ein paar Müt­ter von Schü­lerin­nen und Schülern sowie mein Kol­legium haben/hat sich während mein­er gesamten Kreb­sreisezeit immer wieder nach mir erkundigt und es sind Bekan­ntschaften daraus ent­standen. Den Redak­teurin­nen und Redak­teuren der Pro­jek­te, die ich zum Zeit­punkt mein­er Diag­nose am Laufen hat­te, habe ich eben­falls sofort von mein­er Diag­nose erzählt. Und auch hier: Totales Ver­ständ­nis und Ent­ge­genkom­men. Die Pro­jek­te liefen ein­fach weit­er, ich hätte aber jed­erzeit die Möglichkeit gehabt auszusteigen. Das war für mich sehr beruhi­gend. Ich wusste ja nicht, wie es mir während der Ther­a­pi­en gehen würde.

Ich hätte den Brustkrebs nicht gebraucht und ich wünsche diese Erkrankung keinem. Dennoch habe ich durch die Krebserfahrung einiges gelernt. Und auch die Tamoxifen Einnahme gehört für mich täglich dazu. 

Auch wenn der Brustkrebs und Tamoxifen einen ganz schön fordert. Ich kann dem Krebs auch positive Dinge abgewinnen.

Auch wenn der Brustkrebs und Tamox­ifen einen ganz schön fordert. Ich kann dem Krebs auch pos­i­tive Dinge abgewinnen.

Kirsten von der Herzwiese: Gibt es etwas Positives, was du dem Krebs abgewinnen konntest und kannst? 

Also er hat mich schon geerdet, der Krebs. Ich weiß nun, dass Gesund­heit defin­i­tiv das wichtig­ste Gut ist und dass dies nicht nur eine Floskel auf Geburt­stagskarten ist. Ander­er­seits wurde ich durch den Krebs um einiges unkom­pliziert­er und entspan­nter. Ich hin­ter­frage mich nicht mehr ständig, akzep­tiere mein Äußeres in sein­er Kantigkeit Fal­ten und meine Eige­narten. Über Nar­ben, Tat­toos und andere Spuren des Lebens habe ich erst neulich einen Text ver­fasst. Aber auch meine Ich kann nun voller Stolz sagen, dass ich mich und das, was ich mache, kann und bin, von Herzen liebe — zum The­ma Selb­stzweifel und Eigen­liebe habe ich einen Blog­text ver­fasst. Mein Blick auf meine Mit­men­schen ist milder gewor­den. Jede und jed­er trägt einen ganz speziellen Ruck­sack mit sich herum. Wir sehen nur einen Bruchteil dessen, was jeden einzel­nen Men­schen wirk­lich aus­macht. Es ist nicht an mir, über andere zu urteilen oder zu ver­suchen, ihnen meine Mei­n­ung aufzudrücken.

Trotz Brustkrebs, Chemo und Tamoxifen — ich bin jeden Tag dankbar

Ich habe erkan­nt, dass ich nur mich selb­st bew­erten und verän­dern kann. Ins­ge­samt ver­spüre ich eine große Demut vor dem Leben und vor den kleinen Din­gen darin. Zum Beispiel den Milch­schaum auf meinem Kaf­fee oder der Restau­rantbe­such mit meinem Mann. Aber auch das erste Mal „Dirty Danc­ing“ mit meinem Tee­nie Mäd­chen oder ein Tag ohne kribbel­nde Füße. Ich warte nicht auf die großen Urlaube oder beschwere mich über den tage­lan­gen Regen. Ich habe gel­ernt, das Leben mit seinen kleinen wun­der­vollen Momenten zu leben, anstatt auf Beson­der­heit­en wie die ganz tollen Urlaube zu warten. Außer­dem habe ich das „schlechte Gewis­sen“ abgeschafft. Es ist ok, wenn ich meine Kinder alleine lasse, um zum Sport zu gehen. Es ist ok, wenn das Essen etwas später auf dem Tisch ste­ht, weil ich noch einen Text fer­tig geschrieben habe.

Hätte, könnte, warum habe ich nicht — weg damit!

Nicht zulet­zt habe ich die Wörtchen „hätte“, „kön­nte“ und vor allem „Warum habe ich nicht“ aus meinem Vok­ab­u­lar gestrichen. Deshalb ergreife ich spon­tan­er Gele­gen­heit­en, die sich mir bieten — wie eine Pod­cast Auf­nahme oder dieses Inter­view mit dir. Ich höre ein­fach mehr auf mein Bauchge­fühl. Und wenn eine Entschei­dung dann getrof­fen ist, hin­ter­frage ich sie nicht zig­fach, son­dern ste­he dazu, auch wenn vielle­icht mal was nicht opti­mal war. Mot­to: Zukün­ftig bess­er machen.

„Ich gehe achtsamer mit mir, meinem Körper und meinen Bedürfnissen um. Ich sage bewusster „Stopp“ und „Nein“. Ich gebe heute häufiger die Kontrolle ab und nehme einfach mal Hilfe an.“

Und plötzlich war er da - mein Mann. Ein gutes Gefühl, einen Seelenverwandten an meiner Seite zu haben.

Und plöt­zlich war er da — mein Mann. Ein gutes Gefühl, einen See­len­ver­wandten an mein­er Seite zu haben.

Kirsten von der Herzwiese: Du hast eine Selbsthilfegruppe für Leute mit einer Krebserkrankung ins Leben gerufen. Berichte doch mal darüber. 

Während der Chemo und Bestrahlung ergab sich zwar ab und zu mal ein Gespräch mit ein­er anderen Pati­entin. Aber mir war es nicht vergön­nt, dass daraus Bekan­ntschaften ent­standen. Mein Aus­tausch mit anderen Betrof­fe­nen beschränk­te sich zunächst auf Online-Kon­tak­te und das Hören von Krebs-Pod­casts. Aber irgend­wann kam doch der Wun­sch nach einem echt­en Aus­tausch auf. So machte mich auf die Suche nach ein­er Selb­sthil­fe­gruppe. Ich fand hier bei mir in der Gegend eine, allerd­ings waren sämtliche Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmer im Rentenal­ter. Da fand ich mich nicht zuge­hörig. Irgend­wie purzelte dann ein Mann mit Namen Markus in mein Leben. Wir sind gle­ich alt und hat­ten bei­de Krebs. So entschlossen wir uns, selb­st eine Gruppe ins Leben zu rufen. In Kon­takt kamen wir zum Vere­in Jung & Krebs e.V. Freiburg und grün­de­ten einen Ableger hier bei uns im Wutach­tal, was einen Zeitungs­bericht wert war. Mit­tler­weile sind wir ein net­ter Kreis von rund zehn Frauen und Män­ner, der sich ein­mal im Monat trifft. Dann reden, erzählen, motzen und weinen wir von und über unsere Erkrankung. Wir lachen aber auch und feiern bei gemein­samen Unternehmungen wie ein­er Wan­derung oder einem Grillfest die schö­nen Dinge des Lebens.

„Bewegung ist für mich körperliches Wohlgefühl, Auszeit vom Alltagstrubel und meiner Familie. Aber auch seelisches Zu-Mir-Finden, weil die Gedanken dann für einen Moment zum Stillstand kommen.“

Kirsten von der Herzwiese: Als Sportfan gehört Bewegung für dich zu deinem Leben. Wie oft treibst du Sport und was machst Du dabei am liebsten? Und wie sah es mit Bewegung während der körperlich und seelisch harten Zeit der Chemo und Bestrahlung aus? 

Ich bin ein abso­lut sport­begeis­tertes Wesen und mache eigentlich jeden Tag Sport. Es mag sich komisch anhören, aber so wie andere sich zum Sport aufraf­fen müssen, so muss ich mir ab und zu einen sport­freien Tag zumuten. Ich bin der absolute Aus­dauer­f­reak: Ich jogge, ich stram­ple auf dem Home­train­er oder ste­he auf dem Crosstrain­er. Ich schwimme für mein Leben gern und fahre Moun­tain­bike. Zudem habe ich nach mein­er Erkrankung auch wieder mit Kraft­train­ing begonnen, was ich bis zu den Geburten mein­er Kinder jahre­lang gemacht habe. Sport war vom Moment der Diag­nose an mein Ret­tungsanker. In den Tagen des Stag­ings und des Wartens auf die Oper­a­tion fuhr ich viele Stun­den mit dem Moun­tain­bike durch den Wald. Nach der Oper­a­tion dann organ­isierte ich mir von ein­er Bekan­nten einen Home­train­er, der über die Dauer der gesamten Chemo hin­weg zu meinem treuesten Begleit­er wurde. Und was soll ich sagen?

Sport bei Brustkrebs und Tamoxifen — ohne geht es nicht

Die Bewe­gung trug mich durch meine Kreb­serkrankung hin­durch. In meinem Blog­text „Dem Krebs davon­fahren oder vor ihm weglaufen“ gehe ich aus­führlich darauf ein. An Infu­sion­sta­gen war es immer ein Spazier­gang, oft direkt nach dem Ver­lassen der Chemo-Ambu­lanz. Noch bevor ich ins Taxi stieg, das mich wieder heim­brachte. Anson­sten stram­pelte ich die gesamte Ther­a­piezeit über täglich auf dem Home­train­er, ein paar Mal war ich auch joggen. Aber diese Bewe­gung machte mir län­gere Zeit keinen recht­en Spaß mehr und war infolge der Brust­op­er­a­tion zunächst auch nicht förder­lich. Sport hat­te für mich mehrere Funk­tio­nen. Zum einen ist ja erwiesen, dass die Neben­wirkun­gen der Behand­lun­gen defin­i­tiv geringer aus­fall­en, wenn man sportlich aktiv ist. Allein das ist eigentlich schon Grund genug, oder? Außer­dem hil­ft Sport unge­mein dabei, Neben­wirkun­gen durch Tamox­ifen in der Brustkrebs Ther­a­pie wesentlich bess­er zu überstehen.

Dank Sport komme ich mit meinem Brustkrebs und  Tamoxifen besser klar

Sport war für mich aber vielmehr auch ein Zugang zu meinem See­len­frieden: In den bewegten Momenten fühlte sich mein kranker Kör­p­er her­rlich gesund und so lebendig an. Nicht zulet­zt kon­nte ich während der Bewe­gung her­rlich abschal­ten, mich nur auf meinen Kör­p­er konzen­tri­eren. Außer­dem habe ich auf dem Home­train­er sitzend gerne Pod­casts gehört oder Büch­er gele­sen, die mit dem The­ma „Krebs“ zu tun hat­ten. Irgend­wie war mir das im Ruhezu­s­tande auf dem Sofa oder gar im Bett nicht möglich. Aber in Bewe­gung kon­nte ich das gut an mich ran­lassen. Absoluter sportlich­er Höhep­unkt auf mein­er Kreb­sreise war der Moment, als ich das erste Mal nach coro­na- und später dann bestrahlungs­be­d­ingter langer Schwimm­bad­pause endlich mal wieder meine Bah­nen im chlo­ri­gen Nass ziehen durfte.

Vegetarisch bzw. viel Gemüse und sehr wenig Fleisch zu essen ist bei Brustkrebs unter Tamoxifen Therapie für mich eine Wohltat. Auch meine Familie macht da mit.

Veg­e­tarisch bzw. viel Gemüse und sehr wenig Fleisch zu essen ist bei Brustkrebs unter Tamox­ifen Ther­a­pie für mich eine Wohltat. Auch meine Fam­i­lie macht da mit.

 Kirsten von der Herzwiese: Du hast mir berichtet, dass Du vegetarisch lebst. Kam das erst nach der Diagnose oder schon vorher? Was hat sich dadurch für Dich verändert? Fühlst Du dich dadurch körperlich besser? 

Nach der Geburt meines drit­ten Kindes vor mit­tler­weile fünf Jahren war ich ernährung­stech­nisch auf der Low-Carb-Schiene gelandet. Also viel Gemüse, Beeren, Nüsse, Quark, griechis­ch­er Jogurt in Kom­bi­na­tion mit Fleisch und Fisch. Im Laufe der Erkrankung blieb ich dieser Ernährungsweise treu. Während der Chemother­a­pie aß ich tageweise sowieso nur Rohkost und Quark, da mein Mundraum sehr empfind­lich und oft entzün­det war. Aber wenn ich dann nach ein paar Tagen wieder aus dem Chemo-Wahn erwachte, hat­te ich oft richtig Appetit auf ein schönes, großes Stück Fleisch. Meine absoluten Chemo-Gelüste waren Fleis­chwurst und Hack­bällchen. Irgend­wie fühlte ich mich zeitweise an die Stil­lzeit­en mein­er Kinder erin­nert, wenn ich nachts vorm Kühlschrank stand, weil ich plöt­zlich so großen Hunger verspürte.

Lecker - eine Quiche wie diese hier auf der Herzwiese schmeckt auch ohne Fleisch.

Leck­er — eine Quiche wie die Broc­coli-Quiche von der Herzwiese schmeckt auch ohne Fleisch. Das Rezept find­est Du in der Rubrik Back­en hier auf der Herzwiese.

Gegen Ende der Chemother­a­pie litt ich ein paar Wochen unter Geschmacksver­lust und egal, was ich aß, alles schmeck­te nach nichts und fühlte sich selt­sam teigig an. Als der Geschmack dann wieder zurück­kam und ich mich in der Bestrahlung befand, über­dachte ich meine Ernährung. Schließlich heißt es ja, dass Kreb­spa­ti­entin­nen und ‑patien­ten auf rotes Fleisch verzicht­en und lieber helleres, mageres Fleisch kon­sum­ieren soll­ten. Zudem las ich immer wieder, dass Men­schen, die sich veg­e­tarisch oder veg­an ernähren, ein gerin­geres Kreb­srisiko haben als Fleis­chess­er. Deshalb kam ich zum Schluss, dass ich weit­er­hin auf Kohlen­hy­drate in Form von Brot, Kuchen, Nudeln, Reis und Kartof­feln verzicht­en und mich anson­sten kon­se­quent veg­e­tarisch ernähren würde.

Ich liebe Salate in jeder Variante

Ich liebe Salat: Ob aus Gemüse, mit Käse, Ei oder Fisch. Das schmeckt mir einfach richtig gut.

Ich liebe Salat: Ob aus Gemüse, mit Käse, Ei oder Fisch. Das schmeckt mir ein­fach richtig gut.

Ich esse allerd­ings weit­er­hin Fisch. Ich bin also eigentlich Pesc­etari­erin. Mir geht es mit dieser Ernährungsweise sehr gut. Salate in allen möglichen Vari­a­tio­nen, ganz ver­schwurbelt statt aus Salat­blät­tern auch mal in der Käse‑, Ei- oder Champignon­salat­vari­ante. Wie her­rlich schmeckt doch Ofengemüse mit einem Quark-Dip oder ein mit Käse über­back­en­er Gemüseau­flauf! Es gibt so viele leckere Gerichte, die auch fleis­ch­los her­rlich gut schmeck­en. In manchen Momenten, wenn mein Mann den Grill anschmeißt und ich den Duft von ange­braten­em Fleisch rieche, bekomme ich kurz Sehn­sucht. Aber wenn ich mir dann meine gegrill­ten Gar­ne­len oder ein leck­eres Stück Gril­lkäse mache, bin ich wieder ver­söh­nt mit mein­er neuen Ernährungsweise. Ich füh­le mich abso­lut wohl mit ihr.

Mein Zuckerkonsum hielt sich schon vor meiner Erkrankung in Grenzen. Ich habe ihn aber nochmal überdacht und achte darauf, dass ich weitestgehend zuckerlos esse.

 

Brustkrebs, Tamoxifen, Familie und Co - die Antihormontherapie ist schon eine echte Herausforderung.

Brustkrebs, Tamox­ifen, Fam­i­lie und Co — die Anti­hor­mon­ther­a­pie ist schon eine echte Herausforderung.

Kirsten von der Herzwiese: Da es auf meiner Herzwiese ja auch um die Antihormontherapie geht — welche Tipps hast du für Frauen, die so wie ich und viele andere auch, mittendrin stecken? 

Ich muss sagen, dass es mich Über­win­dung gekostet hat, mit der Ein­nahme von Tamox­ifen zu begin­nen. Nach der lan­gen Zeit der Akut­ther­a­pie und weit­er­hin in der Antikör­perther­a­pie steck­end, hat­te ich keine Lust, mir täglich ein Medika­ment einzu­ver­leiben, das mich – mit Anfang 40 – in die Wech­sel­jahre kat­a­pul­tierte. Aber ich schaffte es durch eine andere Herange­hensweise meinen Frieden mit der jahre­lan­gen Anti­hor­mon­ther­a­pie zu find­en. Denn im Ver­gle­ich zu Brustkreb­spa­ti­entin­nen mit einem Tumor, der nicht hor­mon­ab­hängig ist, habe ich die wun­der­bare Möglichkeit, zusät­zlich zu Ernährung, Bewe­gung und Co. auch medi­zinisch an mein­er Heilung mitzuwirken. Ich sprach mir während der ersten Wochen vor jed­er Ein­nahme den Satz „Wohl schmeckst du mir, wohl tust du mir.“ vor. Und was soll ich sagen? Hokus­pokus oder Ernst? Egal, es funk­tion­iert: Seit August let­zten Jahres nehme ich die Tablette nun mit einem guten Gefühl ein.

Brustkrebs und Tamoxifen- die ersten Wochen waren eine enorme Herausforderung

Zwar fühlte ich mich in den ersten Tamox­ifen-Wochen sehr komisch, ich litt unter starken Stim­mungss­chwankun­gen, war leicht depres­siv und sagte nach einem guten Monat: „Wenn das nicht bess­er wird, dann set­ze ich das Ding ab.“ Ich erlebte wohl das, was man nor­maler­weise über einen län­geren Zeitraum erlebt, näm­lich in Wech­sel-Jahren in einem Wech­sel-Moment. Glück­licher­weise lüftete sich der geistige Nebel aber und ich kon­nte wieder lachen und mich am Leben freuen. In einem Blog­text erzäh­le ich von meinem Start mit der Anti­hor­mon­ther­a­pie. Allerd­ings taucht­en dann kör­per­liche Wehwe­hchen auf: Ich hat­te Waden­schmerzen, meine Gelenke tat­en weh, ich bekam rheuma­tis­che Beschw­er­den in den Hän­den. In meinem Beruf als u.a. als Autorin und Blog­gerin eine ganz ungün­stige Sache.

Brustkrebs, Tamoxifen und meine Familie - eine Herausforderung die frau schaffen kann.

Brustkrebs, Chemo, Bestrahlung, Tamox­ifen und meine Fam­i­lie — eine Her­aus­forderung die frau schaf­fen kann.

Tamoxifen — Hitzewallungen, steife Gelenke, trockene Scheide

Manch­mal hat­te ich nach dem Auf­ste­hen auch das Gefühl, mich erst ein biss­chen warm­laufen zu müssen, bis ich sich­er auf dem Boden stand. Aber das ist kom­plett ver­schwun­den. Ab und zu habe ich Nächte, in denen ich stark schwitze, aber von hefti­gen Hitze­wal­lun­gen blieb ich ver­schont. Die hat­te ich bere­its in der Chemother­a­pie. Eine Gewicht­szu­nahme, wie sie viele Pati­entin­nen bekla­gen, kann ich nicht fest­stellen. Recht unan­genehm fand ich die begin­nende Schei­den­trock­en­heit. Und was mir auf­fällt: Meine Beine fühlen sich phasen­weise sehr schw­er und „dick“ an. Außer­dem sind meine Fin­ger tageweise geschwol­len­er und wurstiger als son­st Dann passt mein Ehering nicht mehr. Ich trage ihn dann nicht, was für den Kopf ein selt­sames Gefühl ist.

Brustkrebs, Tamoxifen und meine Familie - hier sind meine Tipps und Erfahrungen zusammengefasst.

Brustkrebs, Tamox­ifen und meine Fam­i­lie — hier sind meine Tipps und Erfahrun­gen zusammengefasst.

Annettes Tipps für Beschwerden durch Tamoxifen in der Antihormontherapie nach Brustkrebs

  • Laven­del-Zypressen-Öl (Schüt­tel-Emul­sion) aus der Apotheke
  • Apotheken-Spezial „Venen-Bal­sam“
  • Aconit-Schmerzöl von Wala* bei akuten Schmerzen in den Händen
  • Gel gegen Schei­den­trock­en­heit. Am besten fand ich Femisan­it* und PJUR* med Pre­mi­um Glide*.
  • Ich schlafe bei offen­em Fen­ster und habe immer eine Flasche Wass­er neben meinem Bett stehen.
  • Ich nehme täglich Vit­a­min D und Selen zu mir. Auch zum Schutz vor ein­er Ernährungstipps zum Schutz vor Osteo­porose durch die Anti­hor­mon­ther­a­pie und Wech­sel­jahre gibt es hier.
  • Meine Gynäkolo­gin hat mir ein tolles Mit­tel emp­fohlen, mit dem ich die Schmerzen in den Gelenken, Waden und Hän­den fast völ­lig los­ge­wor­den bin. Hal­lelu­ja! Sie sind zwar nicht bil­lig und wer­den von der Kasse nicht über­nom­men, aber ich gönne sie mir für ein gutes Lebens­ge­fühl: Equizym MCA*.
  • Ich trinke täglich ein Glas Lavi­ta*, ein leck­er schmeck­endes All-in-One-Konzen­trat mit Min­er­alien und Vit­a­mi­nen. Ich weiß, dass viele Ernährungsberater/Diätassistenten und Co. solch Sachen nicht gut heißen. Ich habe aber das Gefühl, dass es mir gut tut und glaube daran, dass ich meinem Kör­p­er damit etwas Gutes tue
  • Wie oben aus­führlich geschildert, achte ich auf eine gesunde Ernährung und bewege mich täglich. Außer­dem bin ich – meinen Kindern sei Dank – täglich eine Weile an der frischen Luft.

Kirsten von der Herzwiese: Ich backe und koche gerne und das regelmäßig. Wie sieht es da bei Dir aus? Und was ist dein Lieblingsessen und dein Lieblingskuchen? 

Das ist ein­fach: ein Salat mit ver­schiede­nen Rohkost­gemü­se­vari­anten mit ein­er Beilage wie geräucherte Forelle oder ein paar Gar­ne­len. Außer­dem liebe ich Pilze, Kür­bis und für Käse kön­nte ich glatt einen Ein­bruch bege­hen. Kuchen kann ich dir eigentlich keinen nen­nen, da ich mich kohlen­hy­dratarm ernähre und mir sämtliche Exper­i­mente mit alter­na­tiv­en Mehlsorten oder Kuchen ohne Boden nicht wirk­lich schmeck­en. Wenn es hart auf hart käme und ich mich zwis­chen „Ver­hungern oder ein Stück Kuchen essen“ entschei­den müsste, dann würde ich ein schönes Stück cremi­gen Käsekuchen wählen oder mit ein­er Donauwelle total sündigen.

 

Tipps und Rezepte für leckere low carb Kuchen, auch Käsekuchen find­est Du hier auf meinem Blog Herzwiese in der Rubrik BACKEN. 

Low Carb Käse Sahne Torte ohne Zucker

Das Rezept für eine low carb Käse-Sahne Torte find­est Du hier auf der Herzwiese in der Rubrik Backen.

Kirsten von der Herzwiese: Ich bin ja ein Freund von regelmäßiger Me Time. Wie sieht es da bei dir aus? Was machst Du nur für Dich?

Im Grunde geschieht das Schreiben dieses Inter­views während ein­er solchen Me-Time. Mein­er heili­gen Stunde in aller Her­rgotts­frühe! Meine bei­den großen Kinder ver­lassen schulbe­d­ingt schon um kurz nach sechs das Haus. Die Jüng­ste muss erst gegen kurz nach sieben los. Ich genieße es, in dieser Zeit, wenn das Haus noch her­rlich ruhig ist, schon etwas zu werkeln. Zunächst räume ich meist die Spül­mas­chine ein und aus. Aber dann lege ich mich entwed­er nochmal aufs Sofa und lese in Ruhe die Zeitung oder ich döse ein­fach nochmal eine Weile. Oft­mals set­ze ich mich aber auch an den Schreibtisch und haue schon etwas in die Tas­ten. Das ist für mich schon immer und seit dem Krebs noch weitaus mehr Erhol­ung, Entspan­nung, See­len­mas­sage und tut mir her­rlich gut. Absolute Me-Time ist für mich meine tägliche Bewegungseinheit.

 

Heute bin ich glücklich mit mir selbst und meiner Familie. Ich habe die Brustkrebs Primärtherapie erfolgreich überstanden. Tamoxifen gehört zu meinem Leben, so wie Sport, gesundes und gutes Essen sowie positives Denken.

Heute bin ich glück­lich mit mir selb­st und mein­er Fam­i­lie. Ich habe die Brustkrebs Primärther­a­pie erfol­gre­ich über­standen. Tamox­ifen gehört zu meinem Leben, so wie Sport, gesun­des und gutes Essen sowie pos­i­tives Denken.

Sport und Natur — das macht mich glücklich

Ich schwimme, ich bike oder ich bin auf dem Crosstrain­er. Ich mache das bewusst allein, verabrede mich hierzu nie mit jemand anderem. Auch das Handy lasse ich in der Zeit außer Acht. Der Begriff „Wald­baden“ wird im Moment infla­tionär gebraucht und scheint der neueste Trend zu sein. Ich wohne ja im Schwarzwald und genieße dieses im-Wald-Sein schon lange. Meine Jog­ging- oder Moun­tain­bike-Run­den gehen immer ein Stück durch den Wald. Me-Time in Höch­st­form sozusagen: Sport und Natur, was braucht man mehr? Mein Mann untern­immt am Woch­enende regelmäßig mal etwas mit den Kindern und ich habe dann ein paar Stun­den oder einen Tag für mich allein. Meist mache ich dann nichts son­der­lich Spek­takuläres, oft schreibe ich viele Stun­den lang. Aber den­noch tanke ich hier Kraft für den All­t­ag zwis­chen Kindern, Haushalt und Arbeit. Außer­dem gehe ich regelmäßig zur heilen­er­getis­chen Fuß­mas­sage und zur Fußpflege. Dabei bin ich zwar nicht allein, den­noch ist es für mich Me-Time, weil ich etwas für mich tue und es mir ein wohliges Gefühl beschert.

 

Mein Mann und ich sind uns einig, dass es kein Kriterium für eine gute Partnerschaft ist, wenn man zwingend jeden Abend gemeinsam fernschaut oder gleichzeitig ins Bett geht. Jeder von uns nimmt es sich heraus, sich regelmäßig ganz bewusst für einen Abend allein zu entscheiden.

Liebe Annette, es war mir eine große Freude, dich zu interviewen. Ganz lieben Dank, bleib guter Dinge und vor allem gesund.

 

Du willst mehr zum Thema Tamoxifen, Brustkrebs, Antihormontherapie und gesundes Leben erfahren? Dann schaue hier auf der Herzwiese in meiner Rubrik Frauengesundheit vorbei. 

Nun freue ich mich über Deinen Kommentar hier auf der Seite. 

 

Hier geht’s zum Blog von Annette.   

Die Fotos  im Beitrag: Brustkerbs, Familie und Tamoxifen stammen von:

Annette Holl, Herzwiese24,de. Sowie von Ben White, Tow­fiqu Barb­huiya über unsplash.com

*unbezahlte Wer­bung, da Markennennung

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2 Kommentare

  1. Laramaus
    27. Juli 2022 / 08:10

    Ich (51) habe meine Diag­nose Brustkrebs im Feb­ru­ar erhal­ten. Es hat mir den Boden unter den Füßen weg­geris­sen. Meine Schwiegercou­sine hat­ten wir erst let­ztes Jahr beerdigt nach 17 Jahren Krebs, ges­tartet mit Brustkrebs, das kommt einem dann direkt wieder in den Sinn. Nach­dem ich dann wieder zu Hause war, habe ich mich an den Schreibtisch geset­zt und weit­er gear­beit­et. Arbeit­en hat mir geholfen, weit­er ein “nor­males” Leben zu leben. Ich hat­te einen klitzek­leinen Tumor < 1cm, den ich selb­st gefun­den hat­te. Chemo brauchte ich Gott sei Dank keine, ich hat­te nur 1 Monat nach Fund eine OP und danach Bestrahlung. Ich war ins­ge­samt 1 Woche nach der OP krankgeschrieben. Anson­sten habe ich brav meinen 40h Büro­job weitergemacht. 

    Mir hat mit Sicher­heit geholfen, dass ich viel Sport mache, ich bin lei­den­schaftliche Ren­nrad­fahrerin, bin nach der OP viel Wan­dern bzw. spazieren gegan­gen. Gesund ernährt haben wir uns eigentlich schon immer. Seit 01.06. nehme ich Tamox­ifen, bish­er ohne Neben­wirkun­gen, außer, dass ich (nach jahre­langer Pil­lenein­nahme ohne Pause) meine Peri­ode wieder habe und sie dies­mal so stark ist, dass ich das 1. mal in meinem Leben die Bet­twäsche abziehen mußte. Meine Schwiegermut­ter meinte, ich würde von den Tablet­ten dick. Den Gefall­en werde ich ihr nicht tun 😉

    Das einzige, was mit mir ein wenig unan­genehm auf­schlägt: warum bekom­men alle Frauen eine Chemo, ich nicht? Ja, ich weiß, es liegt an der Art des Tumors, trotz­dem sehe ich mich dadurch nicht als Kreb­spa­ti­entin. Vielle­icht auch ein Grund, dass ich immer weit­er gear­beit­et und mir keine pause gegön­nt hat. Ich hat­te ja “nichts”.

    • Kirsten
      Autor
      27. Juli 2022 / 08:50

      Liebe Lara­maus, her­zlichen Dank für deine Zeilen. Ich kenne deine Über­legun­gen. Ich hat­te zu Anfang auch das Gefühl ich hätte “Brustkrebs light”. Aber das ist falsches Denken. Meine Frauenärztin hat mich dann bestärkt und mir damals gesagt, dass ich die gle­ichen Äng­ste, Sor­gen und Nöte erlebe, wie Frauen mit Chemo. Natür­lich ist eine Chemo ein enormer Kraftakt in allen Bere­ichen. Aber nur aus dem Grund keine Chemo zu bekom­men blitzschnell wieder zu “funk­tion­ieren” ist der falsche Weg. Das rächt sich irgend­wann. Ich bin jet­zt fünf Jahre fer­tig mit mein­er Primärther­a­pie und heil­froh, dass ich mir in dieser schw­eren Zeit auch Ruhe gegön­nt und eine Reha gemacht habe. Das kannst Du auch auf jeden Fall, denn das ste­ht Dir als Kreb­spa­ti­entin, ganz gle­ich ob mit oder ohne Chemo zu. Bitte informiere dich da mal bei deinen Brustkrebs behan­del­nden Ärzten. Sie kön­nen auf jeden Fall weit­er­helfen. Auch heute noch nach fünf Jahren, mir geht es wieder sehr gut, achte ich darauf auch mal Stopp zu sagen und mir auch mal Ruhe zu gön­nen. Mit­tler­weile ist die Medi­zin Gott sein Dank so weit fort­geschrit­ten, dass viele Frauen die schwere Diag­nose Brustkrebs ohne Chemo er- und über­leben. Dafür kön­nen wir sehr dankbar sein. Also nichts wie ran an die Reha. Hier auf mein­er Herzwiese find­est Du einen Beitrag zum The­ma Me Time — kleine Auszeit vom All­t­ag: https://herzwiese24.de/me-time-tipps/. Der hil­ft Dir bes­timmt auch weit­er. Aus ganz bald mal wieder hier auf der Herzwiese. Wun­der­bare Grüße von Kirsten von der Herzwiese.

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